Der Keimzelle der FUCHS-Gruppe

30.10.2018

Der Keimzelle der FUCHS-Gruppe

Sie ist das Gründungsunternehmen des heutigen FUCHS-Konzerns, die FUCHS SCHMIERSTOFFE GMBH. Heute ist sie mit rund 900 Mitarbeitern, drei Werken und einem Umsatz von über 700 Millionen Euro die größte FUCHS-Gesellschaft, die nicht nur in Deutschland, sondern weltweit aktiv ist.

Mangel an Mut kann man Rudolf Fuchs sicher nicht vorwerfen. Das Mannheim des Jahres 1931 war nicht gerade der ideale Ort für den Sprung in die Selbstständigkeit. Nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags hatten die Franzosen am linken Rheinufer das Sagen, die Mannheimer Industrie war von ihren wichtigen Absatzgebieten Elsass-Lothringen und Saarland abgeschnitten. Der Umschlag am Mannheimer Hafen war rückläufig, die Arbeitslosenzahlen stiegen in vorher nie gekannte Höhen. Doch der 21-Jährige, der bei einem Mannheimer Handelshaus seine kaufmännische Lehre absolviert hatte und als frischgebackener Import-Kaufmann dort den Schmierstoff-Großhandel betreute, ließ sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten: Er hatte eine Vision und den unbedingten Willen zum Erfolg. 

Mit klarem Blick erkannte er die Chance des Schmierstoffgeschäfts vor dem Hintergrund der fortschreitenden Motorisierung, er wusste um die Spitzenstellung Mannheims im Fernverkehr – und riskierte den Schritt zum Unternehmer. Am 30. Mai erfolgte die Eintragung der neu gegründeten Firma RUDOLF FUCHS in das Handelsregister des Amtsgerichts Mannheim. Im ersten Betriebslokal seiner Firma im Mannheimer Schlachthof füllte der junge Unternehmer gemeinsam mit seiner Frau Irma, die ihn bei seiner Tätigkeit stets unterstützte, das zu jener Zeit unbestrittene Spitzenprodukt, das „Guaranteed Pennsylvania Motor Oil“ in Kanister, nannte es „PENNA PURA“, lud es auf sein Fahrrad und verkaufte es im Hafen an die dort ansässigen Transportfirmen.

Handelsregistereintrag der Firma Rudolf FUCHS vom 30. Mai 1931

Handelsregistereintrag der Firma RUDOLF FUCHS vom 30. Mai 1931

Das damalige Spitzenprodukt "Penna Pura".

PENNA PURA Motorenöle

Das neue Unternehmen stand unter einem guten Stern. FUCHS expandierte, ein Umzug folgte auf den nächsten und auch das Vertriebsprogramm wurde erweitert. 1936 stieg die junge Firma in die eigene Produktion ein. 1937 erwarb Rudolf Fuchs ein baureifes Gelände auf der Friesenheimer Insel im Mannheimer Norden – bis heute Standort des Mannheimer Stammsitzes von FUCHS.

1939 wurde für FUCHS das bis dahin wichtigste Jahr der Firmengeschichte: Mit Kriegsbeginn erfolgte ein Importstopp für die Öle aus den USA. Rudolf Fuchs entschied sich für eine eigene Fabrikation in großem Stil. Die Einweihung des Neubaus auf der Friesenheimer Insel, in dem inzwischen schon über 30 Mitarbeiter beschäftigt waren, bot die räumlichen Voraussetzungen für diese Entscheidung. Mit der Umstellung auf die Produktion von Schmierstoffen bekam die Firma auch einen neuen Namen, RUDOLF FUCHS MINERALOELWERK, und wuchs kräftig.

1963 – vier Jahre nach dem Tod des Gründers Rudolf Fuchs im Jahr 1959 – übernahm sein Sohn Manfred Fuchs die Geschäftsführung und gestaltete knapp zehn Jahre später – im Jahr 1972 – das Unternehmen zur Firmengruppe um: Das operative deutsche Geschäft wurde ausgegliedert und in der FUCHS MINERALOELWERKE GMBH verselbstständigt. So entstand die Vorgängerin der heutigen FUCHS  SCHMIERSTOFFE.

Mitte der fünfziger Jhre entstand das Werk II auf der Friesenheimer Insel.

Mitte der fünfziger Jahre ist in Mannheim Werk auf der Friesenheimer Insel enstanden.

Neben dem Stammwerk in Mannheim, in dem rund 80 Prozent der ca. 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind, produziert die deutsche FUCHS-Tochter inzwischen an zwei weiteren Standorten, wie  Stefan  Knapp, Vorsitzender der Geschäftsführung FUCHS SCHMIERSTOFFE, berichtet. Schon 1883 gründete der Kieler Gastwirt Friedrich Harmsen ein eigenes Mineralölwerk und verkaufte seine Wagen- und Maschinenfette im gesamten norddeutschen Raum und über die Ostsee bis nach Königsberg. Seit 2002 gehört die Fettfabrik Kiel zur FUCHS-Gruppe. Der Weg zu dem Mannheimer Schmierstoffspezialisten führte über ein Joint Venture zwischen FUCHS und der DEA Mineralöl AG, an die Max, der Sohn des Gründers, das Unternehmen 1951 verkauft hatte. Nach dem Ende dieser Kooperation blieb die Fettfabrik bei FUCHS, in der inzwischen die gesamte Fettproduktion von FUCHS SCHMIERSTOFFE  konzentriert ist.

Im Jahr 1927 wurden die Pentosin-Werke mit Sitz in Wedel gegründet, die 2015 von FUCHS übernommen und in die FUCHS SCHMIERSTOFFE GMBH eingegliedert wurden. „Mit dieser Akquisition haben wir unser Portfolio vor allem im Bereich Doppelkupplungsgetriebeöle  ausgebaut“, so Knapp. Das Stammwerk in Wedel mit seinen Forschungs- und Entwicklungslaboren sowie dem Prüffeld für Getriebeöle wird weiter betrieben – das zweite Werk in Dormagen wurde Ende letzten Jahres verkauft. Vor allem der Übernahme von Pentosin verdankt FUCHS SCHMIERSTOFFE, dass es auch in einem gesättigten und umkämpften Markt wie Deutschland in den letzten Jahren bei den Umsätzen weiter  wachsen konnte.

„In unserem Heimatmarkt geht es vor allem darum, die bestehende gute Position zu halten. Die Nachfrage ist in den meisten Produktgruppen weiter stabil auf hohem Niveau“, zeigt sich Knapp zufrieden. Potenzial wird in erster Linie durch Innovationen generiert – ein Thema, das angesichts der anstehenden Umwälzungen bei den Antriebskonzepten bei FUCHS SCHMIERSTOFFE ganz oben auf der Agenda steht. „Auch wenn der derzeitige Anteil von Elektro- oder Hybrid-Fahrzeugen noch sehr gering ist, spielen die neuen Antriebe bei unseren wichtigen deutschen OEM-Kunden bereits eine sehr große Rolle. Hier wird die Situation in vielleicht fünf Jahren schon jetzt vorweggenommen – und darauf müssen wir uns einstellen“, ist Knapp überzeugt. Im Rahmen einer neu geschaffenen Stelle verfolgt ein Spezialist für E-Mobilität die Trends und Entwicklungen in diesem Bereich. In den Labors wird an Formulierungen für Schmierstoffe gearbeitet, die den Anforderungen in Elektroautos gerecht werden – auch komplett neue Produkte sind in der Pipeline. „Die Schmierfette könnten in diesem Kontext an Bedeutung gewinnen“, so Knapp. „Dies ist ein Bereich, in dem wir durch neue Entwicklungen bei den PKW wie die elektrische Lenkung und die elektrische Parkbremse, aktuell sehr erfolgreich sind.“

Das bestehende Geschäft in den verschiedenen Marktsegmenten zu stabilisieren und auszubauen – aber trotzdem die Kapazitäten zu schaffen, um sich stärker mit neuen Themen zu beschäftigen, das ist die Herausforderung, denen sich FUCHS SCHMIERSTOFFE derzeit stellt. Neben neuen Antriebstechnologien steht hier vor allem die Digitalisierung ganz oben auf der Tagesordnung. „Wir möchten in naher Zukunft einen E-Commerce etablieren und befassen uns mit dem Thema Online- Sensorik. Wir möchten unseren Kunden in der Industrie den Service anbieten, durch Sensoren den Zustand ihrer Kühlschmierstoffe digital zu kontrollieren, um so eine vorausschauende Instandhaltung zu ermöglichen. Dabei geht es uns nicht um kurzfristiges Wachstum, sondern um die Effizienzsteigerung  unserer Prozesse und die der Kunden.“

„FUCHS SCHMIERSTOFFE trägt rund ein Viertel zu unseren weltweiten Umsätzen und rund die Hälfte zu unseren Umsätzen in Europa bei. Die Bedeutung von FUCHS SCHMIERSTOFFE reicht jedoch weit darüber hinaus. Von der jahrzehnte- langen Erfahrung und Expertise dieser Keimzelle unseres Konzerns profitieren die Tochtergesellschaf- ten in aller Welt. Wir freuen uns sehr über den regen Austausch.“

Dr. Ralph Rheinboldt, Vorstandsmitglied FUCHS PETROLUB

Mit umfangreichen Investitionen will FUCHS SCHMIERSTOFFE dazu beitragen, das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen. Fest geplant sind ein neues Hochregallager für  Rohstoffe und ein neues Bürogebäude in Mannheim. Weitere Investitionen in den Ausbau der Produktions- und Abfüllkapazitäten sind in Mannheim, Wedel und Kiel vorgesehen.  

Ein Anliegen von FUCHS SCHMIERSTOFFE ist die Nachhaltigkeit der Produktangebote und des  Unternehmens selbst. Auf der Agenda stehen die Unterstützung von Initiativen wie dem Branchenbenchmark des Verbands Schmierstoffindustrie oder die Optimierung des Energiemanagements. „So konnten wir durch den Selbstbewertungs-Check Ende 2017 bereits viele Ansätze für Verbesserungen erarbeiten und sind in engem Kontakt mit den Sustainability-Spezialisten in der Holding“, so Knapp. „Wir können unseren Kunden auch bereits Produkte anbieten, die zur Nachhaltigkeit beitragen, dennoch sind wir bei der Lösung dieser Herausforderung zwar auf dem Weg, jedoch sicher noch nicht angekommen.“

Selbst wenn FUCHS SCHMIERSTOFFE seinen Sitz in Mannheim und den deutschen Markt im Fokus hat – ist die größte FUCHS-Tochter auch international unterwegs. „So bedienen wir viele Märkte, in denen FUCHS keine eigene Gesellschaft hat“, beschreibt Knapp eine wichtige Aufgabe. „Dazu gehören beispielsweise Länder wie die Mongolei oder Kasachstan, aber auch Staaten in Südamerika. Hier können wir mit Produkten ‚Made in Germany‘ punkten und liefern im Automotive-Bereich vor allem Aftermarket-Produkte, aber auch Schmierstoffe für die Industrie.“

Ein hoher Anteil an den Umsätzen von FUCHS SCHMIERSTOFFE fließt aus dem Geschäft mit den Schwesterfirmen, allen voran aus China. „Wir profitieren sehr stark von der globalen Aufstellung und Präsenz des Konzerns“, betont Knapp. „Um es ganz klar zu sagen: Viele unserer Geschäfte vor allem mit den OEM-Kunden im Automotive-Bereich laufen nur deshalb, weil wir die Kunden auch international über unsere dort ansässigen Gesellschaften beliefern können – das ist ein oft ausschlaggebendes Argument bei den Verhandlungen.“ Da sei es selbstverständlich, die FUCHS Kollegen im Ausland dort zu unterstützen, wo es erforderlich ist. Eine besondere Stärke von FUCHS SCHMIERSTOFFE liegt dabei im Know-how bei Automotive-Schmierstoffen – mit großen Kapazitäten im Forschungs- und Entwicklungsbereich sowie bei den Prüfständen.

„In Mannheim begann 1931 die Erfolgsgeschichte unseres Unternehmens – und FUCHS SCHMIERSTOFFE hat sich in Deutschland eine führende Stellung im Schmierstoffmarkt erarbeitet. Deutschland ist nach wie vor einer unserer wichtigsten Märkte, der uns auch heute noch viele Chancen bietet. Ich bin sicher, wir werden uns in unserem Stammland weiterentwickeln und durch zahlreiche Innovationen unsere Position vor Ort ausbauen. Ich freue mich auf die nächsten Jahre.“

Stefan Fuchs, Vorstandsvorsitzender FUCHS PETROLUB

Automotive-Produkte von Motorenölen bis zu Stoßdämpferölen stellen so auch den Hauptanteil an dem Umsatz von FUCHS SCHMIERSTOFFE und werden sowohl im First-Fill- als auch im Aftermarketbereich  eingesetzt. „Es ist jedoch unser strategisches Ziel, uns möglichst breit aufzustellen“, weiß Knapp. Deshalb setzt FUCHS SCHMIERSTOFFE auch auf ein breites Portfolio bei den Industrieschmierstoffen, das ebenfalls ständig erweitert wird.

Der Umgang mit den neuen Antriebstechnologien, der Ausbau der digitalen Kompetenz, die Vielfalt der Märkte, auf denen FUCHS SCHMIERSTOFFE aktiv ist, das Handling der unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen weltweit und die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter – aber auch Alltagsprobleme wie derzeit fehlende Kapazitäten bei Speditionen, Handwerkern oder anderen Dienstleistungen: An Herausforderungen fehlt es bei FUCHS SCHMIERSTOFFE nicht. „Aber gerade das macht unser Geschäft spannend und  abwechslungsreich“, so Knapp.

Das Geschäftsführungsteam von FUCHS SCHMIERSTOFFE: (v.l.) Kay-Peter Wagner, Stefan Knapp und Jörg Vogel.

Das Geschäftsführungs-Team von FUCHS SCHMIERSTOFFE: (v.l.) Kay-Peter Wagner, Stefan Knapp und Jörg Vogel

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